Chronik
bis heute
bis 1945
bis 1800
bis 1500
Personen
Sagen
Maria Elend

Die Entstehung unseres Ortes reicht nach der Überlieferung bis in die vorchristliche Zeit zurück. Es soll nach dieser Quelle schon um 500 vor Chr. auf unserem Boden eine Siedlung bestanden haben, wie aus Gräberfunden nachgewiesen wurde. Mit Sicherheit steht jedoch fest, daß Tattendorf als fränkische Ansiedlung zur Zeit der ersten Babenberger zum erstenmal genannt wird, liegt es doch in jenem Landstreifen, den Kaiser Heinrich II. dem Markgrafen Heinrich I. (984 - 1018) geschenkt hat.

 

In dem Klosterneuburger Gedenkbuch erscheint im Jahre 1114 ein Adolid von Tatindorf auf und im Jahre 1150 kommt ein Wichard v. Tatendorf vor. Vermutlich schenkte dann der Markgraf Leopold III. der Heilige unser Dorf dem Stift Klosterneuburg, da von einem späteren Erwerb nichts mehr ausdrücklich festgestellt wird. In einem amtlichen Kirchenregister ist zu lesen, daß die Pfarre Tattendorf vor 1412 bereits bestand. Die Pfarrkirche zu "Maria im Elend" - schreibt der Chronist weiter - mit dem Orte Tattendorf und den benachbarten Orten Hadmannstorf und Gebendorf scheinen entweder in den Kriegen unter Kaiser Friedrich IV. oder durch die Türken im Jahre 1529 zerstört worden zu sein. Sicher ist, daß die erwähnte Kirche und der Ort Tattendorf wieder aufgebaut wurden, die beiden anderen erwähnten Dörfer aber nicht mehr; der Chronist meint "vertilgt blieben".

 

Die Chronik erwähnt noch kurz:

  • eine "Blütezeit des Bauernstandes im 12. und 13.Jahrhundert"
  • Die Lungenpest im Jahre 1349 (unter Albrecht II.) forderte bei uns zahlreiche Opfer.
  • Beulenpest 1679
  • 1713 bis 1714 Beulenpest zum letztenmal von Wien bis "Salenau", die Errichtung unserer Pestsäule im Jahre 1713 und in Nachbarorten.
  • Über die Türkeninvasionen 1529, 1532 und 1683 sowie über die Reformation und ihre Wirren ist weiter nichts erwähnt.

 

Über die Anfänge unserer Volksschule bestehen leider nur sehr lückenhafte Daten und Angaben, da ein großer Brand im Jahre 1873 alle Unterlagen vernichtet hatte. Ein ständiger Lehrer soll erst gegen Ende des 18.Jh. bei uns gewirkt haben, da vorher ausgediente Soldaten die Kinder in den Häusern unterrichtet haben. Ein Lehrer namens Christoph Nestinger hat von "Tädtendorff" 1673 ein Gedicht mit 9 langen Strophen "Gesang vor der Heyl. Aichen zu Tättendorf in der Au im Thon Wollauff ihr klein Waldt Vögelin" gedichtet und vertont - Tattendorf war damals lange Zeit hindurch ein beliebter Wallfahrtsort. Über diese "Heyl. Aichen", den erwähnten Lehrer und die damaligen Wallfahrten nach Tattendorf gibt die Chronik in einer 12 seitigen Abhandlung erschöpfende Auskunft, auch das 9 strophige Gedicht bzw. Lied ist darin abgedruckt. Auch noch andere Namen von früheren Lehrern sind in der Chronik enthalten.

 

Die Schule war zuerst im ehemaligen alten Kindergartengebäude, dann im heutigen Gemeindehaus Tattendorf No. 8 untergebracht, bis Baron Nicolaus von Dumba (Landtagsabgeordneter, Herrenhausmitglied und Fabrikbesitzer) 1885 ein neugebautes Schulgebäude - vollständig eingerichtet - (um 7.000 Gulden) der Gemeinde zum Geschenk gemacht hat.

 

Weitere Einzelheiten aus der Chronik:

  • 1590 großes Erdbeben, Häuser zerstört, Menschen getötet,
  • 1809 Gründung der Burschenschaft "Eintracht",
  • 1826 Errichtung der Kammwollgarnspinnerei (wurde später aufgelassen),
  • 1863 die Allee in der Badnerstraße wird angelegt,
  • 1866 der neue Friedhof wird angelegt, die große Mühle wird gebaut,
  • 1873 Großbrand äschert einen Teil des Dorfes ein,
  • 1879 Pflanzung der Jubiläums-Linde bei der Kirche,
  • 1880 Erbauung des Bahnhofes,
  • 1885 Erbauung der neuen Volksschule,
  • 1888 furchtbare Gewitter mit Hagelschlag vernichtet die ganze Ernte und den Obstbestand,
  • 1890 Eröffnung des Kindergartens (Geschenk von Dumba an die Gemeinde),
  • 1871 Gründung der freiwilligen Feuerwehr,
  • 1908 Erbauung der Maschinenfabrik "Bachrich" - erzeugte landw. Maschinen, wurde später in eine Eisengießerei umgewandelt und nach dem 1. Weltkrieg abgebrochen,
  • 1913 große Überschwemmung
  • 1917 große Explosion am Großen Mittel,
  • 1920 Einleitung des elektrischen Lichtes,
  • 1924 und 1928 die böse Triesting, die das Dorf öfters fürchterlich überschwemmte, wird reguliert und eingedämmt,
  • 1926 Errichtung einer Kartoffelbrennerei - 1945 zerstört,
  • 1928 heißer Sommer und strenger Winter,
  • 1955 Umbau der Schule, neuer Kindergarten im Rundstil,
  • 1962 - 1964 - 1968 Errichtung der 3 großen Wohnhausblöcke der Gemeinde bzw. 1964 des neuen Amtshauses,
  • 1968, 1969, 1970 zeitgemäße Modernisierung und Ausbau der Straßenbeleuchtung und Asphaltierung der Gemeindestraßen,

Die Chronik berichtet auch von 2 interessanten Ortssagen:

 

Die Sage vom verschwundenen Schatz

Die Sage vom Trommler

 

An überliefertem Brauchtum wären zu erwähnen:

 

das Ratschen in den Kartagen mit einem originellen Spruch beim Absammeln am Ostersonntag

Faschingsbegraben am Aschermittwoch nachmittags

der traditionelle Hüter- und Winzerumzug im Herbst

das sogenannte "Vorziehen" bei Hochzeiten

das Burscheneinkaufen am Faschingmontag

das Männereinkaufen am Faschingdienstag,

 

Was uns die Volkszählung 1961 berichtet:

 

760 Einwohner,

253 Haushalte

230 beschäftigte Arbeiter (davon 180 auswärts und 50 hierorts beschäftigt, 730 r.k., 11 evangel., 1 Altkatholik, 1 Adventist, 17 ohne Religion

162 Häuser,

 

Einige Daten aus der Volkszählung 1971:

 

203 Häuser

279 Haushalte

872 Einwohner und 64 Ausländer